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Neue S3-Leitlinie zur Stilldauer

  • Autorenbild: Laura Olah
    Laura Olah
  • 23. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Was sie bedeutet und was sie nicht bedeutet


Stilldauer

Die neue S3-Leitlinie "Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung" ist ein Meilenstein in der Stillberatung in Deutschland: Erstmals gibt es eine evidenzbasierte, wissenschaftlich fundierte Empfehlung, wie lange gesunde, reifgeborene Kinder gestillt werden sollten.


Doch was genau steht drin? Und was bedeutet das für dich als stillende Familie?



Wer hat die Leitlinie verfasst?


Die Leitlinie wurde von einem großen interdisziplinären Expertengremium erarbeitet, darunter:

  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)

  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

  • Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi)

und weiteren 26 Fachgesellschaften, Berufsgruppen und Vertreter*innen der Zielgruppe - also Stillende selbst.



Zentrale Aussagen der neuen S3-Leitlinie


Die Leitlinie macht 2 klare evidenzbasierte Empfehlungen:


Stillen

Ausschließliches oder überwiegendes Stillen bis zum 6. Lebensmonat:

Reifgeborene Babys sollen in den ersten 6 Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend gestillt werden.

"Überwiegend" bedeutet: Muttermilch ist die Hauptnahrung.

Zusätzliche Flüssigkeiten werden i.d.R. bei gestillten Babys nicht benötigt, erst mit der Einführung fester Mahlzeiten oder nach Rücksprache mit geschultem Fachpersonal.

👉 Diese klare Formulierung ersetzt frühere, weniger eindeutige Empfehlungen.


Gesamtstilldauer von mindestens 12 Monaten:

Die Leitlinie empfiehlt darüber hinaus, das Stillen - zusätzlich zur Einführung von Beikost - mindestens 12 Monate fortzuführen.

Dies orientiert sich an der internationalen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die sogar bis zu 24 Monate und darüber hinaus Stillen unterstützt.



Was ist neu im Vergleich zur alten Empfehlung?


Früher galten in Deutschland flexible Zeitfenster:

Stillberatung sprach von mindestens 4 bis 6 Monaten ausschließlich Stillen und von einer Gesamtstilldauer, die nach der Beikosteinführung individuell entschieden werden sollte.


👉 Die neue Leitlinie schafft hier erstmals wissenschaftliche Klarheit, indem sie die Empfehlungen an die WHO-Empfehlung angleicht – und sie evidenzbasiert fundiert, nicht nur als Konsens.



Worin besteht die wissenschaftliche Grundlage?


Die Leitlinie basiert auf systematischen Literatur-Analysen und bewertet rund 30 gesundheitliche Endpunkte für Mutter und Kind. Dazu zählen u.a.:

  • Infektionen

  • Atemwegs- und Darmerkrankungen

  • langfristige Krankheitsrisiken

  • mütterliche Gesundheit.


Die Autoren betonen jedoch, dass viele der Studien Beobachtungscharakter haben: Sie zeigen Zusammenhänge, aber keine eindeutige Ursache-Wirkung.



Was bedeutet das für euch als Eltern?


Stillen

Leitlinien sind Empfehlungen, keine verpflichtenden Regeln. Sie werden an Ärzte*innen, Hebammen, Stillberater*innen und andere Gesundheitsberufe gerichtet, um eine einheitliche und evidenzbasierte Beratung zu ermöglichen.


Das heißt:

Du entscheidest selbst 💚


Niemand wird zu einer bestimmten Stilldauer verpflichtet.

Stillen bleibt eine persönliche, individuelle Entscheidung, die du gemeinsam mit deinem Kind triffst.


Die Leitlinie versteht sich als Beratungsgrundlage, nicht als starrer Maßstab.



Und wenn mein Stillweg anders aussieht?


Ganz wichtig: Viele Faktoren beeinflussen Stilldauer und Stillentwicklung, bspw.

  • körperliche Herausforderungen

  • Familienalltag

  • frühere Erfahrungen

  • Stillprobleme

  • persönliche Bedürfnisse.


Und genau hier kommt die Individualität jedes Stillpaars ins Spiel: Die Leitlinie benennt Empfehlungen, macht aber gleichzeitig klar, dass Einzelfälle anders bewertet werden müssen und eine sensible, individuelle Beratung nötig ist.



Fazit


Die neue S3-Leitlinie zur Stilldauer ist ein wertvoller Schritt hin zu einer einheitlichen, evidenzbasierten Stillberatung in Deutschland:

  • Sie empfiehlt ausschließliches Stillen bis 6 Monate.

  • Sie spricht sich für eine Gesamtstilldauer von mindestens 12 Monaten aus.

  • Sie dient als Beratungsgrundlage, nicht als Verpflichtung.

  • Und sie lässt Raum für die Individualität jedes Stillpaars.


Stillen ist kein Perfektionsprojekt - es ist ein gemeinsamer, individueller Weg. Wenn du mehr Orientierung oder Unterstützung brauchst, bin ich gerne für dich da :)



Deine Laura



zur neuen Leitlinie: AWMF Leitlinienregister


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